Könnt ihr davon eigentlich leben?

Machen wir es kurz: Nein. Können wir damit leben? Ja. Einigermaßen. Es ist kein ganz einfaches Thema für mich. Als Mitte 2012 die Idee im Raum stand mit Bio - T-Shirts die Welt zu erobern, war mir schon klar, dass das zunächst mal ein Hobby sein würde. Hätte mich jemand gefragt wo ich das "Projekt Roscoe" (unser erster Name) knapp 4 Jahre später sehe, hätte ich vermutlich etwas anders erwartet.

 


Go big or go home

Um im Textilbereich Geld zu verdienen braucht man vor allem eines: Menge. Und was hat man, wenn man neu anfängt? Alles außer Kunden.  In den USA gibt es den (un)schönen Spruch: Go big or go home. Das ist ein Motto, das sich sicherlich auch auf das Modebusiness übertragen lässt. Denn um niedrige Stückkosten zu erreichen, muss man große Mengen einkaufen. Die muss man natürlich auch absetzen können, denn ansonsten hat man zwar viel Geld ausgegeben und unter umständen große Pläne geschmiedet, aber letztlich nur einen Haufen Stoff auf Lager. Zum Glück kann der nicht schimmeln, aber immerhin einstauben.

 

Diese Herangehensweise erfordert zwei Dinge:

  • volles Commitment
  • viel Mut

Nun war bei uns die Situation so, dass wir Bam Larsson neben dem Studium gestartet haben und dann recht bald in Vollzeitjobs eingestiegen sind. Das heißt, wir hatten das Commitment nur für ein Nebenprojekt und, seien wir mal ehrlich, Mut sieht anders aus.

 

Das ist aber gar nicht schlimm, denn wir haben diesen Weg ja bewusst gewählt.

 

Heimgehen is nich

Wir haben angefangen Bio T-Shirts zu machen, weil wir der Überzeugung sind, dass konventioneller Baumwollanbau Raubbau an der Natur und an den Menschen ist. Bio-Baumwolle ohne Pestizide etc. anzubauen und die Bauern fair zu bezahlen macht nicht alles Unheil auf der Welt gut, aber es hilft den Leuten ein klein wenig.

 

Dass große Modehäuser vor allem Profit im Sinn haben, ist deren Sache. Wir möchen es gerne besser machen, sind dabei aber noch kleiner als David im Kampf gegen Goliat. Zum Glück geht es aber auch nicht darum Goliat zu besiegen, sondern neben ihm zu existieren und dabei andere Menschen glücklich zu machen - mit fairen Löhnen, guten Anbaubedingungnen und mit coolen T-Shirts.

 

Und dabei werde ich selber noch ganz glücklich. Jedes Mal, wenn eine Bestellung rein kommt und mein Handy mich benachrichtigt, freue ich mich etwas verkauft zu haben. Es klingt klischeemäßig, aber es macht einfach Spaß etwas Eigenes zu machen und wenn das noch jemandem so gut gefällt, dass er bereit ist Geld dafür auszugeben, dann ist das das größte Kompliment.

 

365 T-Shirts im Jahr

In Phasen, in denen es gut läuft (in der Regel, wenn ich Zeit finde mich um Markeing zu kümmern), verkaufen wir im Schnitt ein T-Shirt pro Tag. Das ist ziemlich cool, denn wie oben beschrieben, freu ich mir über jeden verkauften Artikel ein Loch in den Bauch.

 

Das heißt, wenn es gut läuft, haben wir am Ende des Jahres 365 T-Shirts verkauft. Für ein Hobby ist das keine schlechte Hausnummer. Es ist allerdings auch nicht bahnbrechend. Auch wenn wir keine großen Nebenkosten haben, müssen wir davon noch Alex, unseren Designer bezahlen. Egal ob wir dann 5, 8 oder 10 Euro pro Shirt verdienen, multipliziert man das mit 365 Tagen, dann kommt im Jahr das raus, was man vielleicht im Monat bräuchte. Davon leben? No way.

 

Ist das schlimm? Absolut nicht, denn es ist nach wie vor ein Hobby und macht nach wie vor richtig viel Spaß.

 

Peace,

Jörg

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Sebastian K. (Donnerstag, 26 Mai 2016 21:52)

    Ich freue mich, dass ihr so viel Enthusiasmus und Arbeit in euer Projekt investiert. Mir ist bewusst, dass der Textilmarkt hart umkämpft ist und vor allem der Preis vor Qualität und Nachhaltigkeit eine große Rolle bei den meisten Personen spielt, dennoch wünsche ich mir, dass diese Firma weiterhin bestehen bleibt und früher oder später Gewinn abwirft.
    Vor allem designtechnisch und Marketingtechnisch sehe ich noch potenzial bei euch. Macht weiter so!

  • #2

    Bam (Freitag, 27 Mai 2016 15:42)

    Hi Sebastian,

    danke für die netten Worte und deine Unterstützung! Wir werden weiter unser bestes geben.

    Reingehauen!

  • #3

    wenzge (Freitag, 27 Mai 2016 21:41)

    Gefällt mir dass Du alles so offen legst - also nicht nur Euer Zugang zu Bam sondern auch was man dabei so verdient.
    Ich denke aber der Ausblick ist ganz positiv. Man sieht ja in vielen Wirtschaftbereichen einen Umbruch und so glaube ich zumindest wird es bei den großen Firmen im Textilbereich auch Veränderungen geben und es wird mehr Nachfragen nach kleinen, individuellen Buden kommen. So rein auch dem Bauch raus ohne mich damit beschäftigt zu haben.

  • #4

    Bam (Dienstag, 31 Mai 2016 22:53)

    Danke für den Support, Wenzge! Wir bleiben auf jeden Fall dran und hoffen, dass der Bio-Boom von den Lebensmitteln irgendwann auf die Klamotten überspringt bzw. tun unser bestes, dass da ein Sinneswandel stattfinden kann.


    Jörg

  • #5

    Simon (Sonntag, 05 Juni 2016 14:05)

    Ich habe echt Respekt vor eurer Einstellung und der Art, wie ihr diese Sache angeht!
    Ich verstehe, dass es hart ist in diesem Business zu bestehen. Doch es lohnt sich weiterzumachen, weil ihr etwas gewinnt, was viel wertvoller ist als Geld: Die Sympathie und Dankbarkeit all der Menschen, denen ihr helft.

  • #6

    Bam (Sonntag, 05 Juni 2016 14:44)

    Danke Simon! Much appreciated!!!