Bio-Kleidung sieht immer noch scheiße aus

Für diesen Sonntag hatte ich mir genau zwei Dinge vorgenommen: Ein paar neue Klamotten kaufen und einen Blogeintrag über faire Kleidung zu schreiben. Nachdem wir mit Bam Larsson seit mittlerweile knapp zwei Jahren am Markt sind und dabei natürlich auch die Konkurrenz im Auge haben meinte ich ein ganz gutes Gefühl für die Situation zu haben:

  • Es gibt immer mehr Marken, die fair gehandelte Kleidung aus Bio-Baumwolle anbieten.
  • Ein paar davon sind mittlerweile richtig groß geworden und bieten dem zu bio und fair neigenden Kunden eine echte Auswahl.

Ergo: Man muss gegenüber konventioneller Kleidung kaum mehr auf etwas verzichten und die Preise sind nur geringfügig teurer – tolle Entwicklung! Und wir sind mittendrin. Aber ist das so?


In einer Mischung aus Faulheit und Cleverness entschied ich mich zunächst nach ein paar neuen Errungenschaften für meinen eigenen Kleiderschrank zu suchen. Es dient ja auch der Recherche. Und dazu war es 9 Uhr an einem Sonntag - zu früh zum Arbeiten.

Umkleidekabine Männerkleidung
Flickr // CC // Parker Knight

Von Armed Angels bis Zalando

Also auf in den digitalen Schaufensterbummel. Gesucht waren ein Pullover, ein Hemd und eine Hose. „Ein Pullover dürfte kein Problem sein, mit etwas Glück finde ich ein außergewöhnliches Hemd und eine Hose mag ich irgendwie nicht richtig online kaufen, aber mal sehen“ Das sind meine Gedanken zu Beginn. Doch was dann folgt bringt mich zurück auf den Boden der Realität.

von Hoodies

Auch wenn es da draußen ausgemachte Hoodie-Spezialisten unter den Herstellern von fairer Kleidung gibt, hatte ich den Eindruck, dass die Auswahl an hochwertig aussehenden Pullis ziemlich limitiert ist. Ein Hoodie zum Grillen am  Rhein? Nicht so schwer zu finden. Ein Pullover, den ich auch mal im Winter im Büro* tragen kann? Da wird es eng. Natürlich gibt es da 2-3 Pullis von Marken wie Armed Angels, die mittlerweile ein beachtlich großes Sortiment haben, aber für meinen Geschmack war nichts dabei. Klar, das Qualitätsversprechen ist da und in meinen Augen auch glaubwürdig, immerhin liegt darauf ja das Hauptaugenmerk der Anbieter, aber für mich sehen die Klamotten nicht immer hochwertig aus.

und Hemden

Hemden kaufen
Flickr // CC // Parker Knight

Ähnlich  geht es mit den Hemden weiter. Ein paar solide Basismodelle, aber danach wird es dünn. Sind wir mit der großen Auswahl doch noch nicht so weit wie ich dachte? Ich will es genauer wissen und klicke mich durch das gesamte Sortiment von Anbietern wie Armed Angels, bleed, Greenatlity, Recolution u.v.m. Und je mehr ich klicke, desto mehr ärgere ich mich. Ich weiß nicht warum ich mich ärgere, mir hat ja niemand etwas getan. Vielleicht hatte ich einfach nur erwartet, dass wir schon weiter sind. Jedenfalls wird mir klar, dass ich von all dem was ich sehe, nichts kaufen will.

Viele Schnitte und Farben sind einfallslos, Standard, wie auch immer. Klar, die Unternehmen sind klein, können oder wollen wenig Risiko eingehen und starten mit einem Basissortiment. Aber dazu kommen dann Sprüche wie „Du musst dein Ändern leben“ und Strichzeichnungen von kleinen Vögeln und mir wird klar: Eco-Fashion steht noch immer mit einem Bein in der Öko-/Wollstrumpf-/Müsliecke.


Dabei ist mittlerweile sogar das Müsli selbst aus der Müsli-Ecker herausgerückt.

Angetreten um die Mode-Lücke zu schließen

Wir sind mit Bam Larsson  mit dem Anspruch angetreten Kleidung zu machen, die sich über besonderes Design definiert. Die T-Shirts sollten optisch überzeugen und die Tatsache, dass sie aus Bio-Baumwolle und fair hergstellt sind, sollte lediglich für den Konsumenten lediglich einen Bonus darstellen. Für uns als Unternehmer war es zwar mehr als das, nämlich eine Grundvoraussetzung, aber wir waren und sind davon überzeugt, dass die Leute Kleidung kaufen, wenn sie ihnen gefällt, und nicht, weil sie ihr Gewissen beruhigen wollen. Wir wollten dazu beitragen, dass man coole Klamotten kaufen kann ohne sich Gedanken machen zu müssen, dass durch die Herstellung jemand zu schaden kam.

Zwei Jahre später können wir zwar behaupten einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben, aber ehrlich gesagt ist die Lücke zwischen topmoderner Kleidung und ökologisch und sozial verträglicher Kleidung immer noch genau so groß.

Online Shoppig Sonntagmorgen
Flickr // CC // Joselito Tagarao

So macht einkaufen keinen Spaß

Jedenfall hatte ich mich gerade richig schön in Rage geklickt, als ich bei den Kollegen von bleed vorbeikam. Endlich mal ein richtig guter Auftritt, der Lust auf mehr macht. Ein paar Klicks weiter stellt sich aber schon Ernüchterung ein: "I can dance my name" und "Sustainability is not a crime" steht auf den T-Shirts und schon vergeht mir das Lachen wieder. Erstaunlich ist dabei aber, dass sich "I can dance my name" schon seit mehreren Jahren im bleed-Shop hält. Entweder es liegt immer noch die erste Kollekion im Lager und geht einfach nicht weg oder die Leute kaufen es tatsächlich. Who knows?


Ich gebe zu, dieser virtuelle Schaufensterbummel ist keinesfalls repräsentativ und ein anderer hätte vielleicht in den Shops, die ich besucht habe genau das gefunden, was er wollte. Dass bei den einschlägigen Anbieter aber nicht für jeden Geschmack etwas dabei ist belegt, dass die Auswähl noch längst nicht mit der von konventionellen Herstellern mithalten kann.

Die konventionellen Anbieter: eine echte Alterative?

Um der Resignation die Krone aufzusetzen gehe ich in den Online-Shop von Asos um zu sehen, ob da etwas für meinen Geschmack dabei ist. Und sieh da: ich werde fündig. Hemden und Pullis en masse, sogar eine Hose ist dabei.

Aber kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren? Ich wollte doch das Verhältnis von fairen und unfairen Klamotten in meinem Schrank etwas zurechtrücken. Vielleicht hilft ein Blick in den Bereich "Unternehmensverantwortung" bei Asos. "Aha, ihr seid also Mitglied bei der Ethical Tradin Initiative. Das habe ich zwar noch nie gehört, aber vielleicht reicht es ja um mein Gewissen zu beruhigen." Also fange ich an ein bisschen zu recherchieren. Ein Fehler, wenn man aus Sicht meines Kleiderschrankes argumentiert. Die eben genannte Initiative gibt nur wenig Informationen über Regulatorien und Vorschriften heraus. Dafür ist die Liste der Mitglieder um so aufschlussreicher. Gleich an erster Stelle steht Primark, der sympatische Konzern, dem ich an anderer Stelle erst kürzlich ein paar Worte gewidmet habe. Das sollte die Entscheidung einfach machen. Aber eigentlich sind das doch genau die Klamotten, die ich wollte. Was würdet ihr tun? Erst mal frühstücken?

*Update

Zwei Tage später war ich nochmal auf der besagten Website um einen Blick auf die Klamotten im gespeicherten Warenkorb zu werfen. Doch der war leer. Ich hatte die Speicherung von Cookies abgelehnt. Entscheidung abgenommen. Danke Firefox.

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