Warum faire Kleidung kaufen?

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markheybo // From Sweden to Primark. // Flickr // CC

Wir brauchen alle hin und wieder neue Kleidung: eine neue Hose, ein neues T-Shirt, neue Unterwäsche. Entweder sind die alten Klamotten ausgewaschen, zu klein, zu groß, ein besonderer Anlass steht an oder wir kaufen einfach nur gerne ein – es gibt viele Gründe neue Kleidung zu kaufen und sie sind alle mehr oder weniger nachvollziehbar. Aber warum sollte es unbedingt Fair Trade Kleidung bzw. Kleidung aus Bio-Baumwolle sein?


Es gibt eben so viele Blogeinträge wie harte Fakten warum fair gehandelte Kleidung aus Bio-Baumwolle besser für alle Beteiligten ist. Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass bewusster Konsum der einzige Weg ist einen Wandel herbeizuführen. Gut, ihr könnt auch weiterhin Online-Petitionen gegen Wassermonopole unterzeichnen und die Occupy-Wall-Street liken, aber wenn ihr eure Cornflakes weiterhin von Nestlé kauft wird das nichts ändern.


"Put your money where your mouth is"

„Put your money where your mouth is“ sagen die Amerikaner dazu und bedauerlicherweise haben sie Recht. Wir leben in einer materialistisch geprägten Gesellschaft in der die Wirtschaft im Mittelpunkt steht. Nicht die Kultur, nicht die Religion und auch nicht der Mensch.


Klar, man kann für ein neues Wirtschaftssystem plädieren und schärfere Richtlinien für die Finanzbranche fordern, man kann das Zinses-Zins-System verteufeln und sich auf einen Aussteigerhof zurückziehen. Aber seien wir mal ehrlich, die Aussichten dadurch etwas zu verändern sind sehr gering.

Langsamer Wandel der eigenen Gewohnheiten

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Wandel im Kleinen stattfinden muss. Jeder muss seinen eigenen Weg finden um mit den moralischen und ethischen Herausforderungen unserer Zeit klarzukommen.

„Ich bin mein Leben lang ein Verfechter des Einzelnen, der Persönlichkeit gewesen und glaube nicht daran, daß es Allgemeingesetze gibt, mit denen dem Einzelnen gedient wäre.“

                                                                                                                                                – Hermann Hesse –

Auf den Rest der Gesellschaft zu warten und darauf zu hoffen, dass früher oder später alle zur richtigen Einsicht kommen wird nicht funktionieren. Jeder sollte für sich seine Gewohnheiten an seine Moralvorstellungen anpassen.


In manchen Bereichen ist das einfach, in anderen sehr mühsam. Bio-Lebensmittel kann ich mir, dank geregeltem Einkommen, leisten, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Im Gegenteil, ich habe sogar noch ein gutes Gewissen, weil ich glaube sowohl meinem Körper, als auch den produzierenden Bauern etwas Gutes zu tun.


Wenn es darum geht Freunde in Hamburg zu besuchen sieht das schon anders aus. Setze ich mich für 50 EUR mehr 7 Stunden in die Bahn? Nein. Easyjet ist schneller und günstiger und ich, nun ja, bin bequem und habe wenig Zeit. Ich verstehe jeden, der das für scheinheilig hält. Der eine Flug verursacht so viel CO2-Ausstoß, den kann ich mit meinem Fahrrad nie wieder reinholen.

Schnell einkaufen
David Morgan // Speed Shopping // Flickr // CC

Auf einen Flug zu verzichten ist nicht so einfach wie faire Kleidung kaufen

Und genau hier kommt die These vom Beginn ins Spiel. Unser Handeln, oder genauer: unser Kaufverhalten, hat einen viel größeren Einfluss auf den Lauf der Dinge als all die klugen Worte, die wir in unseren Blogs schreiben oder nach dem dritten Glas Wein von uns geben.

 

Fair Trade Kleidung zu kaufen ist nur ein kleiner weiterer Schritt die eigenen Gewohnheiten an die eigenen ethischen Vorstellungen anzupassen. Die gute Nachricht ist: der Aufwand ist gering. Je nach Marke kostet faire Kleidung vielleicht ein paar Prozent mehr, aber dank der vielen Anbieter von fair gehandelter Bio-Kleidung ist mittlerweile für jeden Geschmack etwas dabei. Die häufig bessere Qualität sorgt zudem für ein ausgeglichenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Verzicht ist dabei gleich Null.

 

Die steigende Nachfrage vor allem für Kleidung aus Bio-Baumwolle hat bereits dazu geführt, dass große Ketten wie H&M und C&A eigene Bio-Serien eingeführt haben. Freiwillig. Aber nicht, weil sie plötzlich das Wohl der Menschheit als oberstes Ziel ausgegeben haben, sondern weil es neben dem  Vertrauen der Kunden auch den Return-On-Investment steigert.

 

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir alle den nachhaltigen Konsum auf alle Lebensbereiche ausweiten würden. Ich, für meinen Teil, versuche das auch. Nur musste ich dabei immer wieder feststellen, dass es nicht so einfach ist wie online ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle zu bestellen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Anni (Montag, 15 September 2014 14:09)

    Das bei H&M und C&A Bio-Baumwolle angeboten wird ist aber trotzdem sehr scheinheilig. Die Kinder in Bangladesh haben dadurch auch nicht mehr zu essen oder fairere Arbeitsbedingungen.