Eine verstöhrende Affäre

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Es ist Samstag und schon wieder später als erwartet. Ich bin auf einer Party obwohl ich weniger auf Partys gehen wollte. Ich frage mich wie vielen Leute hier es wohl ähnlich geht, wie viele Leute das Gefühl haben alles schon gesehen zu haben. Statt etwas neuem immer nur dieselben Sprüche, dieselben Anmachen, dieselben Gespräche, dieselben Klamotten. Eintönig. 


Ich nehme einen letzten großen Schluck aus meiner Flasche, den Rest lasse ich stehen. Ich wollte weniger trinken. Ohne mich zu verabschieden gehe ich das enge Treppenhaus hinunter und rufe ein Taxi. Ein Mal quer durch die Stadt. Der Taxifahrer spricht nicht, ich auch nicht. Stattdessen lasse ich das Seitenfenster hinunter, strecke den Kopf hinaus und schmecke die Straße. Es ist kalt und klar. Mein Lipgloss gefriert. Ich schliesse das Fenster.

 

Als ich an der Adresse, die du mir beschrieben hast, ankomme, ist es weit nach Mitternacht. Dumpfe Bässe verraten mir schon auf der Straße, dass die Party noch längst nicht vorbei ist. Durch die Dunkelheit gehe ich an einer Baustelle vorbei und orientiere mich an kleinen Lampions, die jemand am Straßenrand aufgestellt hat.

 

Die Türe steht offen, das macht den Übergang von Frischluft zu dem Gemisch aus Rauch, Schweiß und Alkohol erträglicher. Der Raum ist dunkel und niedrig und ich kenne niemanden. Bier gibt es im Kühlschrank, aber mir ist nach Stärkerem.

 

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Ich frage nicht wo du bleibst – das hatten wir schon – sondern stelle mich in die Ecke zu Niemandem den ich kenne. Wir rauchen, weil man dabei nicht reden muss. Dazu trinken wir Gin aus der Flasche, weil es jetzt geht. Als ein Platz auf dem Sofa frei wird, setzen Niemanden den ich kenne und ich uns und rutschen immer mehr in die Horizontale. Fremde Körper gesellen sich zu uns und dann liegen wir da. Fünf, vielleicht sechs Menschen zu einem Teppich zusammengewoben. Arme, Beine, hier und da ein Kopf. Jemand streichelt mich am Rücken und es ist mir egal wer es ist.

 

Als ich aufwache lugt die Sonne bereits vorsichtig durchs Fenster. Ich wiederstehe dem inneren Trieb liegenzubleiben und entwebe mich. Ich passiere die erloschenen Lampions und gehe zu Fuß nach Hause um einen klaren Kopf zu bekommen. Leise öffne ich die Türe und versuche die Dielen, die so laut knarzen, zu umgehen.

 

Auf dem Küchentisch liegt ein Zettel auf dem steht, dass du sehr lange geklingelt hast. Lara ist aber nicht sauer, da du ihr versprochen hast Brötchen zu holen. Als ich ins Zimmer komme weiß ich nicht was ich fühle. Ohne die Zähne zu putzen lege ich mich neben dich. Es ist schön warm.

 

Als ich aufwache sitz du mit zwei Tassen Kaffee neben mir am Bettrand.

 

Ich reibe meine Augen und da fällt mir auf, dass ich mich nicht abgeschminkt habe. Zum Beweis kleben mir Wimperntusche und eine abgebrochene Wimper an den Fingern.Deine Haare sind nass und du riechst frisch geduscht. Ich erwarte dein schelmisches Bam-Grinsen und einen Vergleich mit der zerzausten Katze, die immer auf meinen Balkon klettert. Aber keiner von uns sagt ein Wort. Keine Fragen. Nur ein geheimnisvoller Blick.

 

Du reichst mir eine Tasse und rückst ein Stückchen näher zu mir. Und ich dachte ich kenne dich langsam.

 

 

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