Fragen des urbanen Lifestyles

Berlin bei Nacht - urban style

Hi, ich bin Bam Larsson und ich lebe in der Stadt. Damit bin ich nicht allein. Mehr als 50% der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten. Leben wir jetzt alle "urban style"? Also Generation Y, aber 2.0.

 

Genau genommen ist es auch kein Lebensstil, sondern ein Lebensgefühl. Das Gefühl, das man manchmal hat, wenn man denkt, mit Mitte zwanzig schon alles gesehen zu haben. Von der Players Lounge in Panama bis zum Venusceller morgens um halb 6, von den versifftesten WG-Partys in schlechten Kreisen bis zu wichtigen Konferenzen noch wichtigeren Anzugträgern.

 


Wie ein frisch bezogenes Bett

Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Leben und alles, was die Generation unserer Eltern uns ermöglicht hat, aber manchmal weiß ich nicht was ich mit all der Freiheit anfangen soll. Ich fühle mich zu Hause in den Großstädten dieser Welt, erkenne auch ohne Beschilderung in welchem Bahnhof ich bin und mir wird manchmal unwohl, wenn ich mindestens drei Dönerläden und zwei Cafés in Sichtweite habe.

 

Aber das alles verschafft mir keinen inneren Frieden. Mitten im Leben zu sein gibt mir zwar das Gefühl nichts zu verpassen, aber es macht auch rastlos. Denn vor lauter Unabhängigkeit und Freiheit weiß man schnell nicht mehr wo man eigentlich hin will. Zu Hause ist eben nicht nur wo sich das WLAN automatisch verbindet. Zu Hause hat vielmehr auch mit Ankommen zu tun. Ein Gefühl wie ein frisch bezogenes Bett: warm, sauber, beruhigend.

 

Was hilft also weiter? Konsum ist es sicher nicht, so weit sind wir schon. Ein neues T-Shirt vermag zwar meine Laune anzuheben, aber glücklich macht es mich nicht. Außer wenn ich es selbst entworfen und produziert habe. Aber das ist bekanntermaßen eine andere Geschichte.

 

Es beruhigt mich etwas in der Hand zu halten, das mir niemand mehr nehmen. Und nach und nach merke ich, dass es der Drang selbst etwas zu schaffen ist, der mich antreibt. Mehr noch, etwas zu erschaffen, das bleibt.

 

Gekommen um zu bleiben

Und ich merke: das ist ja alles ein furchtbar alter Hut. Insgeheim strebe ich nach dem Gleichen wie schon Generationen vor mir. Durch die Ablenkungen im urbanen Dschungel war es nur schwerer zu erkennen. Urban Style ist also doch kein revolutionärer Lebensstil, sondern etwas Altes neu verpackt. Um die Welt fliegen, kulinarische Delikatessen aus aller Herren Länder genießen, den neuesten technischen Fummel auschecken und auf irgendwelchen angesagten Partys auf der Gästeliste zu stehen - alles schön und gut, aber es sind nur Ausprägungen des urbanen Lebens. Die Musik spielt wo anders.

 

Diese Überlegungen erinnern mich an meinen alten Erdkundelehrer (der nebenbei gesagt, immer erzählte, dass in 10 Jahren jeder Haushalt einen Overhead-Projektor besitzen würde und heute wahrscheinlich als Fax-Gerät in einer Walkman-Fabrik arbeitet). Der Gute war nämlich immer sehr weltfremd, aber dabei sehr zufrieden. Er interessierte sich einfach nicht dafür, was in der Welt so los war (Ein Glück, dass die Verschiebung der tektonischen Platten nur sehr langsam von Statten geht.). Er hatte nämlich ein Hobby, in dem er voll und ganz aufging: Er schreinerte Möbel für die Leute aus seinem kleinen schwedischen Dorf. Dafür wurde er sehr geschätzt und jede Familie hatte mindestens einen seiner kostbaren Schätze im Haus. Das reichte ihm. Punkt. Aus.

 

Nachtleben Bam Larsson urban Style

Das Ziel des urbanen Großstadtbewohners

Diese Art von glücklichem Zustand zu erreichen ist seither mein Ziel. Mit dem Design von T-Shirts habe ich zum ersten Mal das Gefühl diesem Ziel näher zu kommen.

 

Und es fühlt sich an wie ein echter Erfolg in diesem urbanen Dschungel, der sich Leben nennt. Das kann man jetzt nennen wie man möchte, für mich ist Urban Style einfach das Suchen und Finden des eigenen Lebensweges inmitten der Ablenkungen des 21. Jahrhunderts.

 

Hört sich fast ein bisschen an wie Kants Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, aber ganz so philosophisch wollen wir jetzt nicht werden. Jedenfalls ist es nichts Neues, was sich laufend ändert sind lediglich die Umstände unter denen wir suchen.

Foto 1: Jonathan Göpfert / pixelio.de

Foto 2: Jörg Hipper


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